Ab wie viel Jahren ist Fortnite für Kinder geeignet? (Und warum diese Info gar nicht hilft)

Ab wie vielen Jahren ist Fortnite für Kinder geeignet? Diese Frage stellen sich Millionen von Eltern, denn das Spiel ist das Spiel unter Jugendlichen.
Wir haben zwei davon zu Hause. Florentine ist 9 Jahre, Leopold 11 Jahre. In Ihrem Freundeskreis spielt jeder Fortnite. Wir hatten damit unsere Probleme und natürlich fast täglich Diskussionen.
In diesem Artikel geht es ein bischen darum, ab wann Fortnite etwas für Kinder ist. Viel wichtiger finde ich es allerdings, darüber zu sprechen, dass es gar nicht hilft dies zu wissen. Es geht darum, mit dem Gruppenzwang umzugehen, die Situation individuell einzuschätzen und einen Weg zu finden, der für Euch passt.

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Wenn Dir Begriffe wie „Lazy Lagoon“, „Heavy Sniper“, „Goldene Scar“ oder „Lude Drop“ etwas sagen, dann willkommen in der Welt von Fortnite. Das sind nur einige wenige der Begriffe, die ich aus dem Kinderzimmer höre. Das sind die, die ich verstehe. Scheinbar hat sich unter Fortnite Spielern ein ganz eigenes Vokabular entwickelt, dass sich mir weitestgehend verschließt.
Da Dir diese Begriffe etwas sagen, brauche ich Dir sicher nicht erklären wer oder was Fortnite ist (klick hier, falls Du doch mehr Infos brauchst). Und sicher bist Du durch die Entscheidungsmühle gegangen, ob Du Deinem Kind seinen Wunsch erfüllen sollst und es Fortnite spiele lässt (oder Du steckst mittendrin).
Wenn Du das Internet für Deine Entscheidungsfindung heranziehst, bekommst Du schnell Sorgenfalten auf der Stirn. Besonders der Psychologe Leonard Sax taucht in diesem Zusammenhang immer wieder auf. Seine Warnung wurde von zahlreichen Medien schlagzeilenkräftig aufgegriffen, wie etwa vom Stern oder vom österreichischen Standard.
Wenn Du das liest kommst Du zu nur einem Entschluss – Fortnite erst ab 18. Fertig. Buch zu. Nächstes Thema.
Klar, warum auch nicht. Denn es ist schließlich ein Ballerspiel und Ballerspiele haben in Kinderzimmern nichts verloren. Als bei uns der Wunsch aufkam und ich mir das Spiel in Videos das erste Mal angesehen habe, war das Thema für mich durch.
Der Herausgeber des Spiels hatte sich größte Mühe gegeben die Grafik so zu entschärfen, dass das Spiel nicht auf den Index kommt. Es fließt kein Blut, alles sieht irgendwie aus wie in einem Comic. FSK 12 ist also nachvollziehbar.
Was mich vielmehr abgeschreckt hat war das Gameplay.
Du läufst durch die Landschaft und ehe Du Dich versiehst wirst Du angeschossen (markiert durch blaue oder rote Einschlagsindkatoren auf dem Bildschirm – abhängig davon ob Du Schild hast oder nicht). Du rennst, baust Dir in Windeseile eine Schutzbehausung und schießt zurück.
Adrenalin pur. Siegst Du, bist Du im siebten Himmel. Verlierst Du, wirst Du eliminiert – Du bist raus.
Dieses Szenario wiederholt sich zigfach im Laufe einer Runde und wir immer intensiver. Die Anzahl der Spieler wird weniger. Die Landschaft, in der Du Dich bewegst wird durch einen gefährlichen Sturm stetig kleiner. Ziel ist, am Ende übrig zu bleiben – Epischer Sieg.
Es ist also klar, dass die Anspannung steigt, je weniger Spieler noch unterwegs sind. Verlieren, also eliminiert zu werden, ist dann noch frustrierender. Du warst so kurz davor und hast eine beträchtliche Zeit investiert (eine Runde dauert in der Regel 30 Minuten). Zeit in der Du Dir Materialien und Waffen eingesammelt hast. In denen Du Dir schützende Festungen gebaut oder raffinierte Verstecke gesucht hast – je nach Deiner Strategie.
Meine Frau und ich haben uns das Spiel mehrere Male gemeinsam angesehen und entschieden – dass unsere Kinder es nicht spielen dürfen. Wir haben sogar entschieden, dass wir uns auch nicht sicher sind, ob wir uns an die FSK 12 Empfehlung halten werden oder das Spiel auf dem Lorenz Index bleibt, bis sie 16 sind.

Was haben wir früher für einen Quatsch gemacht

Die Kinder – besonders unser Sohn – waren mit unserer Entscheidung nicht sonderlich glücklich. Alle Jungs in seiner Klasse spielen Fortnite und nun war er, dank uns, der Außenseiter. Er kann nicht mitreden und bei nachmittäglichen, virtuellen Verabredungen ist er nicht dabei.
Wir haben ihm unsere Entscheidung erklärt und gesagt, dass wir das Spiel nicht passend finden. Er hat es hingenommen.
Obwohl wir die Entscheidung getroffen haben und beide dahinter stehen, habe ich mich mit dem Spiel weiter beschäftigt. Ein Stück weit aus eigenem Interesse, denn ich habe früher auch gerne gespielt. Mich hat interessiert, was dieses Spiel ausmacht.
Dabei habe ich mich immer wieder gefragt, was uns an dem Spiel so stört. Ist des das gegenseitige Abschießen? Und wenn ja, gibt es einen Unterschied zwischen Fortnite heute und dem, was wir früher gemacht haben? Mit Pistolen bewaffnet durch die Nachbarschaft sind wir gezogen und haben uns gegenseitig mit Platzpatronen „abgeschossen“.
Der Reiz „auf einander Jagd“ zu machen ist scheinbar nichts neues. Wir waren damals sogar so „kreativ“, dass wir uns mit alten Luftgewehren (mit echten Kugeln) im Wald beschossen haben. Nur auf die Beine, versteht sich – das war die Regel.
Möchte ich, dass Leopold und Florentine lieber solche Dinge machen?
Während ich mich mit dem Spiel beschäftigt und es dazu auch einige Stunden selbst gespielt habe, bröckelte meine Überzeugung das Verbot aufrecht zu erhalten.
Haben wir überreagiert? Wovor haben wir Angst?
Darüber haben wir gesprochen. Wir haben Sorge, dass Leopold das Spiel zu sehr aufwühlt. Dass er davon unruhig schläft und es sich generell negativ auf seinen Gemütszustand auswirkt.
Alles berechtigte Gründe. Aber schafft ein Spiel das?
Ich denke schon – besonders wenn die Kinder mit dem Spiel alleine gelassen werden.
Auf meine Initiative hin, haben wir das Thema gemeinsam besprochen. Erst haben Steffi und ich es diskutiert – dann haben wir Leopold mit einbezogen.
Wir haben ihm nochmals unsere Bedenken und Sorgen mitgeteilt aber auch unser Verständnis für seinen Wunsch, das Spiel doch spielen zu dürfen.
Gemeinsam haben wir uns ein Vorgehen überlegt.
Zuerst gab es die Erlaubnis das Spiel auf Probe zu installieren. Schließlich war bisher alles, was wir entschieden haben, auf Theorie und Hörensagen basiert. Wir haben also das begleitete Spielen eingeführt.
Ich habe mit Leopold gemeinsam gespielt. Dadurch konnte ich sehen, wie das Spiel genau ist und vor allem, wie er damit umgeht. Es war von vorne herein geregelt, dass wir jederzeit entscheiden können, das Spiel zu deinstallieren, wenn wir der Meinung sind, dass es ihn überfordert.
Nachdem wir gesehen und davon überzeugt waren, dass das Spiel keine negativen Auswirkungen auf sein Nervenkostüm hat, durfte er auch alleine spielen. Jedoch haben wir klare Regeln aufgestellt.
Wir wollten die Zeiten regeln und auch keinen Kinderzimmerzombie produzieren. Daher haben wir uns darauf verständigt, dass am Wochenende Fortnite Zeit ist. Eine Stunde am Tag.
Was hat Fortnite mit Leopold gemacht?
Er ist immer noch der gleiche, ruhige und besonnene Junge, der er vorher war. Er ist immer noch ein riesiger Fortnite Fan. Wenn ich einen Nachteil sehen dann den, dass ein Teil seines Taschengeldes in dieses Spiel fliesst. Jede Season – also jede Staffel von Fortnite, darf er sich von seinem Taschengeld einen sogenannten Battelpass kaufen. Das ist die Voraussetzung um individualisierte Spieler zu haben und in dem Spiel Punkte zu sammeln.
Mit der Zeit haben wir die Spielzeiten erweitert. Wenn Abends ein Freund anruft und eine Runde spielen möchte, dann erlauben wir es. Natürlich müssen die Hausaufgaben erledigt sein.

Was habe ich aus dem Thema gelernt?

Als Eltern sind wir, ähnlich wie unsere Eltern damals, schnell gegen alles was wir nicht kennen und verstehen. Ich habe gute Erfahrungen damit gemacht, mir ein eigenes Bild von der Situation zu machen, in dem ich mir das Spiel gemeinsam mit ihm angeschaut habe. So konnte ich einen Einblick gewinnen und auch erleben, wie das Spiel auf ihn wirkt und was es mit ihm macht.
Mit dem Herantasten an eine Spielzeitenregelung, die für uns passt, haben wir alle erreicht was wir wollten. Leopold kann mit seinen Freunden spielen und wir haben dennoch ein Auge drauf, dass er nicht in eine Spielsucht oder andere schlimme Dinge rutscht.
Ich hoffe, dass wir uns auch bei zukünftigen Themen, die noch auf uns zukommen werden, diese neutrale Brille bewahren können. Die Zeiten ändern sich so schnell, dass wir mit den Mustern aus unserer Kindheit nicht weiterkommen. Viel wichtiger ist es, sich seiner Werte und Ziele bewusst zu sein und diese als Entscheidungsgrundlage anzulegen.

Quelle: https://www.papa-online.com/wie-viel-jahren-ist-fortnite-fur-kinder/